Im Mittelpunkt der Planung stand der sensible Umgang mit der historischen Bausubstanz. Statt eines vollständigen Neubeginns wurde der Bestand als wertvolle Ressource verstanden. Historische Bauteile wurden erhalten, restauriert und dort, wo erforderlich, behutsam ergänzt.
Die straßenseitige Klinkerfassade wurde denkmalgerecht aufgearbeitet und in ihrer ursprünglichen Wirkung bewahrt. Ein besonderes gestalterisches Element bildet die Frontfassade der ehemaligen Zwischenhalle. Obwohl die Halle selbst zurückgebaut wurde, blieb ihre statisch ertüchtigte Frontfassade als Zeitzeuge erhalten. Heute fungiert sie als markantes Eingangsportal und erzählt die Geschichte des ehemaligen Industriegebäudes bereits beim Betreten des Ensembles.
Ein wesentlicher Eingriff war der Rückbau der ehemaligen Zwischenhalle. Über Jahrzehnte hatte sie den Innenhof verschattet und die Aufenthaltsqualität erheblich eingeschränkt.
Mit ihrem Abbruch entstand ein großzügiger, lichtdurchfluteter Innenhof, der durch Wasserbecken und eine sorgfältig geplante Begrünung zu einem zentralen Aufenthaltsort für die Bewohner wurde. Gleichzeitig eröffnete dieser Eingriff die Möglichkeit, die nun freigelegten Hoffassaden energetisch zu ertüchtigen und an heutige Anforderungen anzupassen – ein Beispiel dafür, wie Denkmalschutz und Energieeffizienz sinnvoll miteinander verbunden werden können.
Während der Arbeiten traten zahlreiche Zeugnisse der Vergangenheit zutage. So wurde unter anderem ein historischer Tresor in einem zuvor unbekannten Keller entdeckt. Ebenso blieb der markante Klinkerschornstein als identitätsstiftendes Element erhalten. Heute bildet sein Sockel die Durchfahrt in den Innenhof und verbindet auf eindrucksvolle Weise Vergangenheit und Gegenwart.
Diese Details verleihen dem Ensemble seine besondere Authentizität und machen die Geschichte des Ortes bis heute erlebbar.
Durch die Umnutzung entstanden 22 individuell geschnittene Wohnungen, deren Grundrisse die Besonderheiten des historischen Bestands aufnehmen. Großzügige Raumhöhen, sichtbare Bestandsstrukturen und moderne Wohnqualität ergänzen sich zu einem einzigartigen Wohnkonzept, das den Charakter der ehemaligen Molkerei bewahrt und zugleich den Anforderungen heutigen Wohnens gerecht wird.
Die Alte Molkerei Grieth ist für uns ein besonderes Projekt. Wir begleiteten das Vorhaben nicht nur als Architekten, sondern verantworteten ebenso die Projektentwicklung – von der ersten Idee über die Entwicklung des Nutzungskonzepts bis zur erfolgreichen Realisierung.
Das Ergebnis ist ein Ensemble, das Geschichte bewahrt, neue Lebensqualität schafft und zeigt, wie historische Industriearchitektur durch eine behutsame Transformation nachhaltig in die Zukunft geführt werden kann.
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr Informationen